WZ-Willich/Tönisvorst vom 13. April 2004

zu "Ausbau Flughafen, Ende des Dornröschenschlafs"

Fluglärm ist erträglich

In Neersen rumort es, war der erste Satz ihres Beitrages. Wo rumort es denn? Wir wohnen auf der Virmondstraße und damit im direkten Einflugbereich des Flughafens Mönchengladbach. Für uns ist und war die Belästigung durch Fluglärm oder Gestank bisher alles andere als unerträglich. Wir steuern mehr und mehr in eine Gesellschaft jammernder Bürger. In persönlichen Gesprächen habe ich bisher festgestellt, daß in unserem Umfeld die wenigsten den Flughafen als Belästigung ansehen. Vielleicht liegt dies aber auch daran, daß in unsere Generation selber spätestens zum Jahresurlaub das Flugzeug als angenehmes Transportmittel angesehen wird. Viele nutzen dieses Verkehrsmittel auch bequem im Berufsleben. Ich bin mir auch sehr sicher, daß die meisten in ihrem Artikel zitierten Flughafenkritiker häufig den Flieger nutzen. Aber bitte nicht von einem Flughafen vor deren Haustüre. Dies nenne ich scheinheilig. Meine Generation bangt mehr und mehr um ihren Arbeitsplatz. Ein Flughafen kann ebenso wie ein enges Autobahnnetz Arbeitsplätze anlocken oder sogar direkt bieten. Die Gewerbegebiete Münchheide haben dies eindrucksvoll bewiesen. Politische Aktionen wie Dosenpfand, Verteuerung von Arbeit durch immer höhere Besteuerung können wir uns genauso wenig leisten wie die Blockierung eines Flughafens, der schon lange an Neersen grenzt. Vielleicht fehlt vielen einfach einmal der Blick über den eigenen Tellerrand.

Carsten Muschik, Willich-Neersen, Virmondstraße

Antwort 1 an WZ-Redaktion

Betr. WZ Lokalteil Willich/Tönisvorst vom 13. April 2004
Leserbrief "Fluglärm ist erträglich" von C. Muschik, Neersen, Virmondstraße

Herr Muschik!
Es geht bei der jüngsten Flughafen-Diskussion nicht um die paar Maschinen, die wöchentlich von dem Flughafen MG starten. Diese vergrößern höchstens das Millionen-Defizit, das indirekt von der Allgemeinheit getragen werden muss. Die zahlreichen Restaurantbesucher kämen eher auf ihre Kosten, wenn man dort ein Flugzeugmuseum einrichten würde.
Nein, hier geht es um das Planfeststellungsverfahren zur Verlängerung der Start-/Landebahn um das Doppelte in Richtung des AK Neersen! Sollte dieses Verfahren erfolgreich abgeschlossen werden, dann können auch die bei Billigfliegern beliebten Boeing 737 starten und Ihnen und uns droht in Zukunft eventuell folgendes Szenario:

- Vor Autobahnbenutzern am Neersener Kreuz taucht über den Leitplanken plötzlich ein Verkehrsflugzeug auf, als würde es zur Notlandung ansetzen und sicher manchen Ortsfremden zum Ausweichen nötigen.
- Die mit viel Schub startende Maschine grüßt nun mit ihrem "angenehmen" Sound die Schlosspark-Besucher und auch die Anwohner der Virmondstraße.
- Das Naturschutzgebiet in den Niers-Auen wird angepeilt. Die Kleintierwelt packt ihre Bündel und wandert lärmgeplagt aus.
- Im Bereich der Luftlinie Süchteln/Vorst (3 km Abstand) hat die Maschine eine Höhe von ca. 500 m erreicht. Windrichtungsbedingt kann es zu Abweichungen von +/- ein bis zwei Kilometer von der Ideal-Flugroute kommen; d.h. Süchtelner oder Vorster im Teresaweg-Viertel bzw. "Am Abel" (da wohne ich) können dann fröhlich den Fluggästen zuwinken.
- Im Bereich Grefrath taucht endlich die Maschine unter der Flugroute Modru 4T hinweg. Kleinflugzeuge in der Nähe des Flugplatzes Niershorst müssen halt aufpassen.

Spaß beiseite: Wer dieses Szenario verhindern will, sollte rechtzeitig gegen das Planfeststellungsverfahren Einspruch erheben. Nähere Einzelheiten entnehmen Sie bitte Ihrer Tageszeitung oder Sie lassen sich von den verschiedenen Bürgervereinen gegen Fluglärm beraten.

Hans-Joachim Berndt, Tönisvorst-Vorst, Bachstraße

Antwort 2 an WZ-Redaktion

Betr.: WZ Lokalteil Willich/Tönisvorst vom 13. April 2004
Leserbrief "Fluglärm ist erträglich" von C. Muschik, Neersen, Virmondstraße

Lieber Herr Muschik, liebe Mitbürger,
dass der Fluglärm des Flughafens MG "bisher alles andere als unerträglich" ist, kann ich nicht behaupten, ich wage die Aussage, dass mit dem derzeitigen Flugverkehrsaufkommen von MG die Grenze des Erträglichen in unserer schönen Niederrhein-Region erreicht ist.
Dennoch möchte ich Ihre persönliche Ansicht zu dem derzeitigen Status akzeptieren, weise aber die Leser und Mitbürger ausdrücklich darauf hin, dass es in der aktuellen Diskussion hingegen um den zukünftigen Status nach dem Ausbau des Verkehrslandeplatzes (VLP) MG geht. Wer in Neersen, Willich, Süchteln oder Vorst seine eigene Lebens- und Wohnqualität zumindest erhalten möchte und sich die Mühe macht, die Unterlagen im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens zu sichten, der stößt auf folgende für 2015 prognostizierte Fakten:
- 103.260 Flugbewegungen p.a., d.h. durchschnittlich 283 pro Tag,
- 2,8 Mio. beförderte Passagiere p.a. zuzüglich Frachterverkehr und Schulflüge,
- Lärmbelästigung (Mittlerer Maximalpegel) bis 80,3 dB auch nach 22 Uhr,
- Einsatz großer Flugzeuge vom Typ Boeing 737 und Airbus 320,
- Zerstörung von Naturschutzgebieten und Landschaftsschutzgebietes durch den Ausbau und durch Überflüge.

Diese Planungen werden angestellt, obwohl zeitgleich, auch in den Gutachten, darauf hingewiesen wird, dass:
- der Flugplatz MG "[...] rein technisch in der Lage [ist], alle Marktsegmente des zivilen Luftverkehrs abzudecken.",
- das Ziel des Ausbaus des VLP MG lediglich darin besteht, den Düsseldorfer Flughafen zu entlasten und den Einsatz größerer Flugzeuge zu ermöglichen,
- das Passagieraufkommen der letzten Jahre in MG deutlich gesunken ist, weil die Nachfrage gesunken ist,
- die Bevölkerungsentwicklung in der Region MG und Düsseldorf sogar rückläufig sein wird,
- der Flughafen DUS nur 20 Autofahrtminuten entfernt liegt.

Kurzum:
Wenn Sie, lieber Herr Muschik, diese Fakten und Widersprüche heute erträglich finden und nicht jammern möchten, dann hoffe ich sehr, Sie vielleicht in 2015 als weiterhin nicht jammerndern Neersener Bürger einmal kennenlernen zu dürfen.

Alle übrigen Mitbürger möchte ich dazu aufrufen, in dem Planfeststellungsverfahren aktiv mitzuwirken, Einsicht in die Unterlagen bei ihrer Stadtverwaltung zu nehmen (nur noch bis zum 26.04.2004) und ihre Bedenken bei der Bezirksregierung Düsseldorf zu äußern (bis zum 25.05.2004). Nur so können Sie persönlich den Ausbau verhindern und Ihre Lebens- und Wohnqualität erhalten. Nutzen Sie die Demokratie!

Jörg Pohl, Tönisvorst-Vorst, Teresaweg

WZ-Willich/Tönisvorst vom 13. April 2004

Wieder gegen die Natur

zu: Geplanter Ausbau des Flughafens Mönchengladbach

Ich glaube zwar, dass in unserer heutigen Zeit Flugverkehr sowohl aus wirtschaftlichen Gründen unverzichtbar ist. Es bedeutet aber nicht, dass in einer Region mehrere internationale Flughäfen nötig werden. Die Schaffung und Unterhaltung zahlreicher mittelgroßer Flughäfen sind für den Steuerzahler und den Fluggast teurer und belasten gerade unsere schon durch viele Lärmquellen belastete Region zusätzlich.

Mir scheint, dass mit der Argumentation "neue Arbeitsplätze zu schaffen", genauso unsolide umgegangen wird, wie in den 90-er Jahren, als jede Gemeinde in den neuen Bundesländern ein eigenes Gewerbegebiet aus dem Boden stampfte, meistens noch in unberührter Natur. Heute liegen dort ca. eine Milliarde Euro Steuergelder vergraben, die die Natur und Landschaft verschandelt haben.

Und damit komme ich zu meinem besonderen Anliegen. Wir haben hier in Willich weiß Gott nicht viel Wald- und Naturschutzgbiete. Aber die will man uns auch noch wegnehmen. 31,7 Hektar. Das gesamte Waldgebiet von Willich (städtisch und privat) wäre nach dem Umbau kleiner als die Flughafenfläche. Der schöne Kalksandsteinsee (Anglersee) würde zugeschüttet und das einmalige Bruchgebiet mit der größten Nachtigallenpopulation im Kreis Viersen ein für allemal zerstört.

Wenn man später feststellt, dass der Flughafen unrentabel ist, ist wieder eine Fläche, die gegen die Natur ist (keine Sträucher mit Beeren, damit keine Vögel dort nisten) entstanden. Die vielen kleinen auseinanderliegenden Ausgleichsflächen, die dafür angeboten werden, sind teilweise schon als Ausgleichsmaßnahme benutzt worden und könnten niemals unser schönes Naherholungsgebiet ersetzen.

Ich hoffe, dass sich viele Bürger noch bis zum 25. Mai entschließen, gegen das zur Zeit laufende Planfeststellungsverfahren Einspruch zu erheben.

Monica Sandrock, Willich-Schiefbahn, Knickelsdorf 90