NGZ vom 6. Mai 2004
Verkehrslandeplatz Mönchengladbach:
Ausbau - "unnötig wie ein Kropf"
Von Rudolf Barnholt
Der Verkehrslandeplatz Mönchengladbach
soll ausgebaut werden. Das Vorhaben ist weiterhin umstritten. Flugplatz-Gegner
und besorgte Bürger kamen jetzt im Realschul-Forum zusammen. Über
400 Bürger drängten am Mittwoch Abend ins Realschul-Forum: Sie ließen
sich von Airpeace über den Stand der Planungen zum Flugplatz-Ausbau informieren.
Jetzt geht's erst richtig los", war auf dem Flugblatt zu lesen, das jeder,
der weit über 400 Besucher im Forum der Kleinenbroicher Realschule in die
Hand gedrückt bekam. Der Airpeace-Vorsitzende der "Bürgerinitiativen
gegen Fluglärm in der Stadt Korschenbroich" hatte mit solch einer
großen Resonanz nicht gerechnet. Martin Rothe warb darum, Einwendungen
rechtzeitig bei der Bezirksregierung Düsseldorf geltend zu machen, per
Vordruck oder - besser noch - mit einem individuellen Schreiben.
Der Kleinenbroicher Initiativen-Vorsitzender, der den besorgten Bürgern keine Antwort schuldig blieb, wies auf folgendes hin: "Die schriftliche Einwendung ist Ihre Eintrittskarte für den Erörterungstermin, der wahrscheinlich im Januar 2005 stattfindet." Es war eine Informationsveranstaltung der Flugplatz-Gegner, die gleichzeitig zum Widerstand "gegen diesen unsinnigen Neubau" motivieren sollte.
Martin Rothe zeichnete ein Schreckenszenario für den Fall, dass die Landebahn tatsächlich verlängert wird und ausgewachsene Ferien-Flieger ab Mönchengladbach in den sonnigen Süden starten. "Bei Landungen über Kleinenbroich", so Rothe, "würden die Maschinen in einer Höhe von nur 196 Metern über die Maternus-Grundschule fliegen." Ein ungestörter Unterricht wäre auch bei geschlossenen Fenstern kaum noch möglich. Eine besonders hohe Lärmbelastung wäre für die Oststraße und die Straße "Am Hallenbad" zu erwarten. Auch in Raderbroich wird es "ganz schlimm" werden.
Es sei mit 80 Flugbewegungen am Tag zu rechnen. Was Martin Rothe in diesem Zusammenhang bemängelte: "Das Lärmgutachten ist laut Gegengutachter ein absoluter Skandal." Die Mittelwerte würden in Kleinenbroich bei 84 Dezibel liegen, Einzelschallpegel könnten mehr als 100 Dezibel betragen. Außerdem solle der Flugbetrieb eine Stunde länger als bislang geplant erfolgen, nämlich bis 23 Uhr. Airpeace hat einen renommierten Anwalt mit der Wahrung ihrer Interessen beauftragt - das kostet viel Geld.
Deshalb richtete Martin Rothe folgenden Appell an die Anwesenden: "Helfen Sie uns durch Ihre Mitgliedschaft und Ihre Spenden." Und er bat darum, das vorgefertigte Schreiben an die Bezirksregierung zu kopieren und im Schneeballsystem zu verteilen. Die Politiker aller Fraktionen, die von Airpeace geladen waren, sprachen sich unisono gegen die Flughafenerweiterung aus. Ansgar Heveling (CDU) nannte den geplanten Ausbau "regionalpolitisch unsinnig, unwirtschaftlich" sowie mit einem Sicherheitsrisiko behaftet.
Sabine Lufen (Bündnisgrüne) sah "ins Unermessliche steigende Verluste" voraus und nannte die Maßnahme "aus ökologischen Gesichtspunkten unverantwortlich". Worauf Wolfgang Skiba (SPD) besonders hinwies: "Von dem Neubau einer Start- und Landebahn wäre ganz Korschenbroich betroffen." Hans-Jürgen Brieger (FDP) nannte das Projekt "unnötig wie einen Kropf" und das parteilose Ratsmitglied Dirk Stratmann mahnte: "Schreiben Sie Ihre Einwendungen selber, werden Sie selber aktiv, überlassen Sie nicht alles der Politik."
Dr. Heinrich Kalthoff (Die Aktive) gab als Geologe folgendes zu bedenken: "Der Untergrund ist kaum baufähig, der Boden für eine Start- und Landebahn kaum tragfähig." Und: "Bei hohen Grundwasser-Ständen könnte die Bahn unter Wasser stehen." Die Einwendungen müssen bis zum 21. Mai bei Martin Rothe, Auf den Kempen 87 in Kleinenbroich abgegeben werden. Erst nach dem Erörterungstermin - Rothe schätzt, dass er im Januar 2005 anstehten wird - könnten Rechtsmittel eingelegt werden. "Wir müssen einen langen Atem haben", ermunterte der Initiativen-Vorsitzende die Anwesenden zum Durchhalten: "Der Kampf hat erst begonnen."